Gips
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![]() ![]() ![]() | Mauersteine aus Gips Fritz Reinboth Der
relativ weiche Gipsstein läßt sich - wie auch das
ausgestellte Bild der
Alabasterwerkstatt zeigt - mit der Säge bearbeiten. Er wurde
deshalb
als Werkstein nicht (wie z. B. der Nüxeier Dolomit in
Walkenried) mit
Fäustel und Meißel zurechtgehauen, sondern einfach in
passende Blöcke
gesägt. Voraussetzung war ein hinreichend homogener Rohstein
wie der
Nußholz-Stein aus Steigerthal. Möglicherweise waren
diese Bausteine ein
Abfallprodukt der „Alabasterindustrie“. Zahlreiche
Gebäude in
Steigerthal, aber auch die Kirche in Rüdigsdorf sind aus
diesen
gesägten Gipsblöcken errichtet. 1891 errichtete Albrecht Meier sein Landhaus am Röseberg fast ausschließlich aus Gips. Dafür ließ er rund 5000 große Gipsblöcke aus Estrichgips gießen. Dazu kamen noch hunderte von Formsteinen für Fenster- und Türlaibungen, Ecklisenen, Profile usw. Wohl aus optischen Gründen wurde der Gips rosa eingefärbt. Das frühere Büro der Gipsfabrik (später Arbeiterwohnhaus) wurde ebenfalls aus diesen Gipsblöcken errichtet, anscheinend auch die Außenmauern einiger von Meier errichteter Öfen. Das Verfahren fand allerdings keine Nachfolge, vielleicht weil die Blöcke recht schwer und unhandlich waren. Vermutlich wurden in der Walkenrieder Gipsfabrik auch kleinere Formsteine im heutigen Ziegelformat aus Estrichgips gegossen, die sich z.B. an der Ölmühle und massenhaft an der Feldscheune in Wiedigshof finden. Sie stammen vielleicht schon aus den Jahren nach 1870, als Meier die Ölmühle zur Gipsmühle umbaute. Nach 1890 kamen Gipssteine aus Stuckgips in Gebrauch, die in großer Stückzahl als sogenannte Gipsleichtsteine produziert wurden. Die Trockenstapel dieses Produkts sieht man auf den Fabrikansichten und -fotos aus dem 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie dienten vielfach zum Ausmauern von Fachwerk. Oft ist die Herkunft durch reliefartig eingegossene Buchstaben bezeichnet: BP = Börgardts und Pohlig (Klettenberg oder Kutzhütte, vor 1912), HEB = H.& E. Börgardts (ebenda, nach 1912), NEUHOF = Gipswerk Sachsenstein. Ein Exponat aus dem Abbruchmaterial der Gipsfabrik von Bruno Steuerlein in Krimderode ist unbezeichnet. Form (z.B. Sübadielen mit Kokosfasereinlage und 2 Holzleisten), Schenkelplatten mit übergreifenden Schenkeln und Leifa-Platten „mit beiderseitigem Pappe¸berzug“ - die heutigen Gipskartonplatten sind also bereits in den 20er Jahren entwickelt worden. Richtig in Gebrauch kamen sie allerdings erst um 1960 als sogenannte Rigipsplatten. Das Bauen mit Gips und Gipsdielen ist der Gegenstand eines Gedichts, das der Ellricher Gipsfabrikant Otto Mack dem Gips um 1930 widmete: Hymne an den Gips O Gips! Dir Deinen Platz zu ßichern, trotz allem Zweifeln, hohlem Kichern, dies ißt, ich ßag es frei und keck, all meines Lebens einz‘ger Zweck. Kühn hoff‘ ich denn: mir wird‘s gelingen, denn Mut hab‘ ich vor allen Dingen; und dann lafl‘ ich mir nimmer rauben den felßenfeßten hohen Glauben, dafl ich mit Freundes Hilf‘ hienieden - wie König Cheops Pyramiden - erbau‘ das Haus in allen Stilen aus beßtem Gips und ebenßolchen Dielen! | |
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